Mikrofinanz / Mikrofinanzfonds


Bereits 1976 erkannte der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus – von Herrn Yunus wurde der Begriff Mikrofinanz maßgeblich geprägt - ein immenses Potenzial in kreativen und leistungswilligen Menschen, welches, jedoch unter den Umstand das es an finanziellen Mitteln mangelte, brach lag.

Er ging zunächst ein hohes Risiko ein und verlieh privates Geld in Form von „kleinen“ Krediten. Die Basis seiner Kreditvergabe war Vertrauen und der Wunsch, die Einkommenssituation in der Bevölkerung Bangladeschs zu verbessern. Es entstand eine Art von „emotionaler“ Bindung und Dankbarkeit der Kreditnehmer für die erhaltenen Chancen. Aufgrund dieser Aspekte, in deren Vordergrund nicht die Raffgier stand, sondern die Aussicht auf wirtschaftliche Verbesserung bzw. Eigenständigkeit der Kreditnehmer, entwickelte sich eine vorbildliche Geschäftsmoral zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber, die Mikrokredite wurden pünktlich und mit Zinsen zurückgezahlt. Der Begriff Mikrofinanz wurde geboren. Und das zunächst private Vorhaben wurde im Jahre 1983 zu einem Unternehmen: Die Grameen Bank.

In Deutschland wurde 2006 der erste Mikrofinanzfonds gestartet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die KfW Bankengruppe und die GLS Bank starteten das Projekt um jungen Unternehmern mit geringem Kapitalbedarf, jedoch ohne eigene Sicherheiten, die Gründung eines Unternehmens zu ermöglichen.

Mittlerweile wird das Konzept der Mikrofinanzierung weltweit erfolgreich eingesetzt und das Volumen des verliehenen Geldes der Grameen Bank belief sich 2007 auf 6,55 Milliarden Dollar. Der weltweite Markt für Mikrofinanzierung operiert derzeit mit einem Volumen von rund 31 Milliarden Dollar. Tausende von Mikrofinanzinstitutionen (MFI) haben sich weltweit etabliert und verbreiten das erfolgreiche ethnische Konzept. Aufgrund der hohen Rückzahlungsquote der Kredite von 98% und der daraus resultierenden positiven Renditeerwartungen der Mikrofinanzinstitutionen legen immer mehr institutionelle Investoren ihr Augenmerk auf Mikrofinanzfonds, die Entwicklungshilfe auf der einen Seite und kommerzielle Gewinnerzielungsabsichten auf der anderen Seite miteinander verbindet.

Inzwischen erfreut sich die Mikrofinanzierung stetig wachsender Betrachtung und wird weltweit als Mikrofinanzfonds aufgelegt. War das Investieren in Mikrofinanzfonds ehemals nur institutionellen Einrichtungen möglich, wurde das Investmentgesetz (InvG) im Jahre 2007 erneuert und ermöglicht nun dem privaten Anlegern sich an Mikrofinanzfonds zu beteiligen. Im folgenden soll nun einem Privatanleger verdeutlicht werden, wie diese Anlageform funktioniert:

Das Geld des Anlegers fließt in Mikrofinanzfonds, von dort wird es an ein entsprechendes Mikrofinanzinstitut, die in ihrem Sitzstaat einer international anerkannten Kredit- oder Finanzaufsicht unterliegen geleitet, und diese Institutionen zahlen die Kredite direkt an den Kreditnehmer aus. Die Zinserträge und Gebühren fließen dann in entgegengesetzter Richtung zurück, hier sei noch mal erwähnt, dass die Rückzahlungsquote bei 98 % liegt. Der Erfolg eines Mikrofinanzfonds hängt entscheidend von der Erfahrung Befähigung des Fondsmanagements ab, daher fordert der Gesetzgeber, dass Anlageentscheidungen nur von Personen getroffen werden können, die neben des speziellen Fachwissen für Investmentgeschäfte auch die erforderlichen Kenntnisse über den Mikrofinanzbereich erworben und belegen können. Die verbleibenden Risiken eines Anlegers bei Mikrofinanzfonds sind im Vergleich zu vielen anderen Anlagemöglichkeiten relativ gering. Das Maximalrisiko besteht darin, dass ein Darlehen nicht getilgt werden kann und dadurch die Renditeerwartung sinkt, jedoch ist dabei zu berücksichtigen, dass infolge der geringen Darlehenssumme pro Unternehmer, die Risiken eines möglichen Ausfalls relativiert werden. Ein weiterer Punkt für die Anlage in Mikrofinanzfonds ist der geringe globale Einfluss. Die Unternehmen sind zumeist nur lokal tätig und somit ihr Wirkungsbereich kaum vom globalen Wirtschafts- und Finanzeinfluss berührt wird. Der Anteilswert bei Mikrofinanzfonds wird einmal im Monat ermittelt, der Kauf bzw. Verkauf von Anteilen ist in den jeweiligen Vertragsbedingungen des Fonds geregelt.
Die Renditeerwartungen sind je nach Fonds unterschiedlich, die in Deutschland erhältlichen Mikrofinanzfondsanteile brachten in den letzten Jahren stabil bis 8% Rendite – und das selbst während der „Finanzkrise“. Der Mikrofinanzbereich ist in jedem Fall ein zukunftsorientiertes Instrument mit hohen Erfolgsaussichten, die sich sukzessive steigern und einen immensen humanitären Anspruch beinhaltet.

Investitionen in Mikrofinanzfonds sind angesichts der zu erwartenden Renditen inklusive dem ökologischen Nebeneffekt, der Bekämpfung von Armut und der Eröffnung von Chancen für aufstrebende, kreative junge Unternehmer, die sonst auf dem Finanzmarkt „verloren“ wären, eine Alternative die man keineswegs bei der Überlegung Geld anzulegen, außer Acht lassen sollte – es ist nicht erstaunlich, dass Muhammad Yunus für diese Idee der "sozialen Investmentstrategie" den Friedensnobelpreis erhalten hat.
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